Die Bedeutsamkeit von "traumainformiertem" arbeiten in Beratung und Coaching
Der Einbezug des Hintergrundwissens rund um die Mechanismen und der Funktionsweise des autonomen Nervensystems (Polivagaltheorie) macht durchweg Sinn, betrifft es doch jeden einzelnen von uns tagtäglich, da wir uns in einer "sympathikonen" Gesellschaft aufhalten. Die Balance zwischen Sympathikus und Parasympathikus ist völlig aus dem Ruder gelaufen, Stress und Anspannung die Regel; und so ist es nicht verwunderlich, dass viele in einem "Überlebensmodus" festhängen, was bis zu Burnout und/oder chronischen Erkrankungen führen kann (bei Stress wird das Immunsystem heruntergefahren). Hinzu kommt, dass wir in einem Land leben, welches sich bis vor 80 Jahren noch im Krieg befunden hat. Nachgewiesen ist, dass transgenerationale Traumata an die Generationen der Nachkriegszeit weitergegeben bzw. oft unbewusst übernommen werden und weiter wirken. Nachweislich entwickeln sogar bis zu 40% der Nachkommen kein sicheres Bindungsmuster (siehe dazu Studien der deutschen Krankenversicherungen). Die Chance, dass jemand ein Bindungstrauma in eine Beratung mitbringt, ist also nicht ganz klein. In solchen Fällen gilt es zum einen, die spezifischen Mechanismen zu verstehen, welche ein bestimmtes (scheinbar dysfunktionales) Verhalten auslösen oder andere (scheinbar gesündere) Verhaltensmuster verhindern, sowie zum anderen darauf zu achten, dann auf die ganz besonderen individuellen Bedürfnisse einzugehen, die daraus entstehen können. Durch eine solche traumasensible Haltung und Arbeitsweise sollen nicht nur retraumatisierende Erfahrungen verhindert, sondern durch eine angepasste Auswahl an Methoden auch der Erfolg und die Effektivität der Beratung gesteigert werden.
Traumainformiertes arbeiten wird bei SOLIBA wie folgt umgesetzt: Traumasensible Sprache, Traumasensible Haltung (Fokus auf Sicherheit, Wahlfreiheit/ Mitsprachemöglichkeiten, Wahrung von Grenzen, regelmäßige Abstimmung, Autonomie des Klienten), Co-Regulation, Beachtung des "Window of Tolerance" und besonderer Bedürfnisse, Anpassung von Techniken, Vermeidung von Triggern, achten auf Anker, Traumasensible Anleitung von Entspannungsübungen ("Traumasensitive Achtsamkeit"), ggf. "Psychoedukation" und Weiterleitung/ Zusammenarbeit mit Fachstellen
Wichtig: Traumainformiert zu arbeiten bedeutet nicht, traumatherapeutisch zu arbeiten! Die Angebote auf dieser Seite können eine gezielte Trauma-Therapie daher nicht ersetzen. Es gilt lediglich, bei der Bearbeitung von davon beeinflussten Lebensbereichen (z.B. Burnout, fehlende Grenzen oder Selbstliebe, dysfunktionale Beziehungsmuster, etc.) besondere Rücksicht zu nehmen, im Einzelfall traumabezogenes Wissen, Haltung sowie an die Situation angepasste Methoden miteinfließen zu lassen.